Airborne Electronic Attack Scenario
Airborne Electronic Attack: Entscheidender Faktor moderner Luftoperationen
Airborne Electronic Attack: Entscheidender Faktor moderner Luftoperationen
08.10.2026

Die Operation der US-Streitkräfte gegen Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro versetzt die Welt im Januar 2026 in Staunen. Die entscheidende Rolle dabei spielt die EA-18G „Growler“-Staffel, die EW-Variante der US-amerikanischen F18. Spezialisiert auf die elektromagnetischen Kampfführung tragen die Jets maßgeblich dazu bei, die Luftabwehr der Südamerikaner außer Gefecht zu setzen. Das Beispiel zeigt exemplarisch, dass moderne Luftkriegsführung längst nicht mehr nur durch kinetische Fähigkeiten entschieden wird. Ein wesentlicher Teil militärischer Auseinandersetzungen hat sich in eine unsichtbare Dimension verlagert: das elektromagnetische Spektrum.

Kommunikationssysteme, Radare, Datenlinks, Navigationsverfahren und Sensoren bilden das Rückgrat moderner Streitkräfte.

Wer diese Systeme bei seinem Kontrahenten stören, täuschen oder (temporär) außer Gefecht setzen kann, verschafft sich erhebliche operative Vorteile, wie es die USA in Venezuela gezeigt haben. Manchmal noch bevor die erste Waffe zum Einsatz kommt.

Der kritische Einwand, dass Venezuelas Luftabwehr russischer Fabrikation nicht mehr aktuellen Standards entsprechen würde, ändert an dieser Tatsache nichts.

Airborne Electronic Attack (AEA), das sogenannte Jamming, ist in diesem Zusammenhang ein Schlüsselinstrument:

Gezielte elektromagnetische Angriffe aus der Luft, die gegnerische Sensoren und Kommunikationsnetzwerke beeinträchtigen, um die eigene Handlungsfreiheit zu erhöhen, das Risiko für die Besatzung zu reduzieren und militärische Operationen erfolgreicher zu gestalten.

Die wachsende Abwehrkraft moderner Luftverteidigungssysteme

GBAD ground-based air defence

Die Herausforderungen für Luftstreitkräfte haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Moderne Integrated Air Defense Systems (IADS) kombinieren unterschiedliche Sensortypen, Radarsysteme, Flugabwehrraketen und Führungsnetzwerke zu hochgradig vernetzten Verteidigungsarchitekturen.

Darin integriert sind Mehrband-Radare mit hoher Frequenzagilität, Technologien zur digitalen Signalverarbeitung, vernetzte Sensor- und Effektorketten sowie passive Ortungsverfahren und verbesserte Abwehrmechanismen gegen klassische Störmaßnahmen.

Insgesamt steigt die Anzahl verfügbarer Sensoren auf dem Gefechtsfeld kontinuierlich an. Neben bodengebundenen Radaren spielen auch luftgestützte Frühwarnsysteme, unbemannte Plattformen und Aufklärungssysteme im Weltraum eine immer größere Rolle.

Für Angreifer im elektromagnetischen Spektrum bedeutet dies wiederum, dass konventionelle Jamming-Ansätze zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Die reine Aussendung starker Störsignale reicht häufig nicht mehr aus, um moderne Abwehrsysteme mit ihren verschiedenen Komponenten nachhaltig zu beeinträchtigen. Entwickler und Streitkräfte stehen dabei vor mehreren komplexen Herausforderungen:

Geschwindigkeit

Systeme entwickeln sich heute deutlich schneller als noch vor wenigen Jahrzehnten. Software-basierte Architekturen ermöglichen es, Signalparameter kurzfristig anzupassen und neue Betriebsmodi einzuführen. AEA muss folglich in der Lage sein, unbekannte oder kürzlich veränderte Signale nahezu in Echtzeit zu erkennen, zu klassifizieren und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Verdichtetes Umfeld

Moderne Einsatzräume sind durch eine hohe Dichte elektromagnetischer Emissionen gekennzeichnet. Militärische und zivile Kommunikationssysteme, Radare, Datenlinks und Satellitenverbindungen konkurrieren um begrenzte Frequenzbereiche. Die Herausforderung besteht darin, relevante Bedrohungen präzise zu identifizieren und gezielt zu bekämpfen, ohne dabei eigene Systeme oder verbündete Kräfte zu beeinträchtigen.

Reaktionszeiten

Bei modernen Flugabwehrsystemen liegen zwischen Zielerfassung, Zielverfolgung und Waffenabfeuerung nur wenige Sekunden. Um wirksam agieren zu können, müssen AEA-Systeme noch schneller agieren, d.h. Bedrohungen automatisiert analysieren und Gegenmaßnahmen verzögerungsfrei einleiten können.

Begrenzte Plattformressourcen

Luftgestützte Systeme unterliegen strengsten Anforderungen bzgl. Gewicht, Energieverbrauch und Kühlung. Gleichzeitig wächst der Bedarf an höherer Sendeleistung, größerer Bandbreite und komplexerer Signalverarbeitung. Die Integration leistungsfähiger Airborne-Electronic-Attack-Fähigkeiten auf bemannten wie unbemannten Plattformen bleibt daher eine zentrale technologische Herausforderung.

Vom klassischen Noise Jamming zur kognitiven elektromagnetischen Kampfführung

Kalaetron Attack Overview

Die technologischen Entwicklungen im Bereich AEA zeigt einen deutlichen Wandel. Während entsprechende Systeme lange Zeit primär auf sogenanntes Noise Jamming setzten, d.h. die Überlagerung gegnerischer Signale mit breitbandigem Rauschen, gewinnen heute deutlich intelligentere Verfahren an Bedeutung. Dazu zählen:

1) Digital Radio Frequency Memory (DRFM): DRFM-basierte Systeme können eingehende Radarsignale digital erfassen, speichern, modifizieren und erneut aussenden. Dadurch entstehen realistische Täuschziele, verfälschte Entfernungsinformationen oder manipulierte Zielsignaturen. Im Gegensatz zu reinem Störrauschen wird der Gegner dabei gezielt in die Irre geführt.

2) Adaptives und kognitives Jamming: Moderne Airborne Jammer analysieren kontinuierlich das elektromagnetische Umfeld und passen ihre Störstrategien dynamisch an. Mithilfe leistungsfähiger Prozessoren und zunehmend KI-gestützter Verfahren können Abwehrmaßnahmen des Gegners schneller erkannt und optimale Gegenmaßnahmen automatisiert ausgewählt werden.

3) Multi-Domain-Integration: AEA wird zunehmend mit Cyber-, Aufklärungs- und Kommandooperationen verknüpft. Dadurch entsteht ein umfassender Ansatz zur Kontrolle des elektromagnetischen Spektrums, bei dem Sensorik, Datenanalyse und elektronische Wirkung eng miteinander verzahnt sind.

Warum Situational Awareness der Schlüssel zum Erfolg ist

Effektive elektromagnetische Angriffe setzen ein präzises Lagebild voraus. Die Fähigkeit, elektromagnetische Emissionen zu detektieren, zu lokalisieren und zu identifizieren, wird zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Ohne eine detaillierte Kenntnis des Bedrohungsumfelds können selbst leistungsstarke Jammer ihre Wirkung nicht optimal entfalten.

Aus diesem Grund investieren moderne Streitkräfte verstärkt in die Verbindung von Electronic Support Measures (ESM), Signalaufklärung (Signal Intelligence bzw. SIGINT) und Electronic Attack (EA).

Das Ziel besteht darin, aus großen Mengen elektromagnetischer Daten verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen und diese unmittelbar in operative Maßnahmen umzusetzen.

HENSOLDTs Beitrag zur nächsten Generation elektromagnetischer Kampfführung

Als führender Anbieter von Sensorlösungen und Schutzsystemen entwickelt HENSOLDT als Neo-Systemhaus komplexe Technologien, die den steigenden Anforderungen moderner Luftoperationen gerecht werden.

Ein Paradebeispiel aus dem Bereich Electromagnetic Warfare (EW) ist das Programm PEGASUS (Persistent German Airborne Surveillance System). Es stattet die Bundeswehr mit signaldetektierenden Überwachungs- und Aufklärungsfähigkeiten über große Reichweiten aus.

Das Herzstück von PEGASUS bildet HENSOLDTs SIGINT-Lösung Kalaetron Integral – eine Technologie der nächsten Generation, die sowohl das luftgestützte Missionssystem als auch das komplementäre Bodensegment umfasst. Während das Luftsegment der Erfassung und Aufklärung relevanter Signale dient, ist das Bodensegment für die Missionsunterstützung sowie die weiterführende Analyse der gewonnenen Daten zuständig.

HENSOLDT verantwortet als Generalunternehmer die Entwicklung und funktionale Integration des Missionssystems, des Bodensegmentes sowie die Softwaretools zur Datenanalyse und -korrelation. Gemeinsam mit Lufthansa Technik Defense und Bombardier Defense entstehen zunächst drei Systeme auf Basis des Geschäftsreiseflugzeugs Global 6000.

Auch im Bereich Airborne Electromagnetic Attack eröffnet sich für HENSOLDT als Systemintegrator der neuen Generation ungeheures Potential.

Mit über 50 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von EW-Technologien hat HENSOLDT Kalaetron Attack entwickelt, eine luftgestützte EA-Lösung aus der Kalaetron-Familie.

Das AESA- und DRFM-basierte System ermöglicht digitale Zielerfassung und Signalstörung. Es kann über zehn Bedrohungen gleichzeitig bekämpfen und schützt vor Angriffen aus mehreren Quellen.

Kalaetron Attack ist in drei verschiedenen Konfigurationen erhältlich: Als Stand-Off Jammer für Störungen auf große Entfernung außerhalb der Waffeneinsatzzone (WEZ), als Escort Jammer zur Spektrumsdominanz auf mittlere Entfernungen sowie als Stand-In Jammer für Operationen in unmittelbarer Nähe zu feindlichen Flugabwehrsystemen.

Alle drei zusammen in Kombination stellen sicher, dass die eigenen Streitkräfte die gegnerische Abwehr unschädlich machen und ihre Mission erfolgreich gestalten können.

Nahtlose Interoperabilität durch eine skalierbare System-of-Systems-Architektur

AEA System of Systems.png

Als Neo-Systemhaus mit Beteiligung des Bundes gewährleistet HENSOLDT auch in diesem Bereich die Sicherung des durch die Bundesregierung festgelegten Technologiefeldes elektromagnetischer Kampf als nationale sicherheits- und verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologie – zum technologisch und wirtschaftlich unabhängigem Schutz der Bundesrepublik Deutschland und im Bündnis.

Ausblick: Die Zukunft gehört der Dominanz im elektromagnetischen Spektrum

Airborne Electronic Attack Platforms

Die Bedeutung von AEA wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Die fortschreitende Digitalisierung militärischer Systeme, die Verbreitung vernetzter Luftverteidigungsarchitekturen und die Integration künstlicher Intelligenz verändern die Anforderungen an elektromagnetische Kampfführung grundlegend.

Erfolgreiche Luftoperationen werden künftig nicht nur von der Leistungsfähigkeit einzelner Plattformen abhängen, sondern zunehmend von der Fähigkeit, das elektromagnetische Spektrum zu verstehen, zu kontrollieren und gezielt zu beeinflussen.

Für Streitkräfte bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Elektromagnetische Kampfführung entwickelt sich von einer unterstützenden Fähigkeit zu einem zentralen operativen Erfolgsfaktor.

HENSOLDT und seine Partner tragen mit innovativen Sensor-, Aufklärungs- und EW-Lösungen dazu bei, die technologische Grundlage dafür zu schaffen.

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